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Heldendichtung

Geschichte

Heldendichtung

Zufällig begab es sich, daß ein Thüringer namens Wito mit dem Habicht auf der Faust am Ufer des Flusses
abwärts ritt und auf der anderen Seite Gozold, ein Schwabe, aufwärts. Und Wito ließ seinen Habicht steigen,
der, um auf einen Reiher zu stoßen, über den Fluß flog; Gozold aber fing beide Vögel. Wito bat ihn, ihm seinen
Habicht wiederzugeben, und versprach ihm, wenn er es tue, ihm etwas mitzuteilen, was ihm unbekannt sei.
Da ließ ihn endlich Gozold über den Fluß kommen und seinen Habicht mit dem Reiher wieder holen. Wito setzte
nun mit seinem Pferd über eine Furt und nahm den Habicht samt dem Reiher in Empfang; auch sagte er zu Gozold:
„Das melde ich dir hier gewiß, das die Könige sich versöhnt haben und das wir, was wir bisher als freies Eigen
besaßen, durch Iring´s unnütze Schlauheit jetzt zu Lehen wieder erhalten haben. Als Gozold das vernommen
hatte, kehrte er zu seinen Landsleuten zurück und teilte ihnen diese Sache von dem Bündnis ganz genau mit.
Sie aber gerieten wegen des Bundes zwischen den Königen in Besorgnis, dass sie entweder um die Zusage des
Theoderich betrogen oder gar von den verbündeten Königen gemeinsam aus dem Land gejagt werden würden
und sie beschlossen, bei Nacht die durch Gozold ihnen gezeigte Furt zu überschreiten und plötzlich in das Lager
der Thüringer einzubrechen. Das geschah und sie richteten ein solches Blutbad unter den Feinden an, daß kaum
fünfhundert mit Irminfrid entkamen; diese zogen zu Attila, dem König der Hunnen.


Dies ist ein Auszug aus der im 12. Jh. verfassten Niederschrift „De Origiae Gentis Suevorum“, welche auch als die
Herkunftserzählung der Schwaben gilt. Auffälligerweise beinhaltet sie genau den Stoff der Iringsage, welche auf
die Schlachten der Thüringer gegen Franken und Sachsen verweist. Widukind von Corvey erzählt in seiner
Sachsengeschichte (967 n.d.Zw.) einen Heldenepos mit dem gleichen Inhalt: „Das Iringlied“.

Richtig ist, das Iring nach der Schlacht an der Unstrut zum Frankenkönig Theuderich ging und um das Geleit der
Thüringer bat. Die Franken schlugen sich jedoch mit den Sachsen nicht mit den Schwaben (Donausueben).
Zum Zeitpunkt dieser Gegebenheiten ist die Verbindung zu Etzel (Attila) dem Hunnenkönig um etwa 155 Jahre zu spät.
Dies ist ein Ergebnis der Heldendichtung, die den thüringer Heermeister Iring und seinen König Irminfried (Herminafrid),
bis in die bedeutendsten Heldenlieder brachte, die die klangvollsten Namen tragen: „Thidreksaga“,
„Dietrichepik“, „Nibelungenlied“.

„Das Iringlied“                   



„Venantius“                       



„Klagelied der Radegunde“                   



„Gregor von Tours“



„Widukind von Corvey“


 
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